Im Oktober war es so weit, mein 6-jähriges Jubiläum als digitale Nomadin stand vor der Tür. Auch, wenn ich es an dem Tag nicht geschafft eine Bilanz meiner 6 Jahre als digitale Nomadin zu ziehen, so gibt es den Rückblick eben heute. Über die Jahre habe ich immer mal wieder Jahresbilanzen gezogen und auch veröffentlicht. Wie zum Beispiel mein Fazit aus dem vorletzten Jahr. Aber 2020 war eben doch vieles anders und auch das Blogpostschreiben kam bei mir leider etwas zu kurz.

Sonia reist

Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an. Denn viele Leute, wenn sie hören was ich mache, sind oft beeindruckt (und überrascht) von meiner Art und Weise zu leben. Jedoch vergessen sie dabei, dass sich alles was ich heute mache, langsam und über die Jahre entwickelt hat. Denn ursprünglich war es nie mein Plan als digitale Nomadin 6 Jahre lang durch die Welt zu ziehen und Psychologische Onlineberatung anzubieten. Ich hatte keine Ahnung, dass ich mir in nur wenigen Jahren ein sehr erfolgreiches Onlinebusiness aufbauen würde, und das, Jahre bevor dank Pandemie alle nun wissen, dass deutlich mehr online funktioniert als gedacht, inklusive dem Gespräch mit der Psychologin oder Therapeutin.

 

Wie also fing alles an?

Vor 6 Jahren, im Oktober 2014, habe ich mir nach meiner abgeschlossenen Doktorarbeit eine Auszeit genommen. Die Zeit war damals für mich recht stressig, darum wollte ich bevor ich eine Praxis in Deutschland eröffnen würde auf Weltreise gehen. Während meiner 10-monatigen Reise kam die Idee, dass ich online arbeiten könnte und somit weiterhin die Freiheit und Flexibilität des Reisens genießen könnte. Also ließ ich mich für mehrere Monate in Thailand auf einer Insel nieder und baute meine Website und mein Angebot für die Onlineberatung auf. Als dann die ersten Anfragen kamen, fing ich an wieder mehr zu reisen und so entwickelte sich Stück für Stück das, was ich heute leben darf.

 

Wohin bin ich gereist?

Über die Jahre bin ich in die verschiedensten Länder gereist. Ich war in Nord, Zentral und Südamerika. Ich war in verschiedenen europäischen Ländern, in Asien, Australien und Neuseeland. Zwischendurch bin ich immer wieder für ein paar Wochen nach Deutschland und Frankreich gegangen und habe dort meine Heimatländer besucht. Zusätzlich fing ich an mir mir eine weitere „Homebase“ in Australien aufzubauen. Gleichzeitig sieht man der Karte auch an, dass es noch ganz schön viele „graue Flecken“ auf meiner Landkarte gibt und ich hoffe sehr, dass ich schon bald, weitere neue Länder erkunden kann!

2020 besuchte Länder

 

Wie plane ich meine Reisen?

Dadurch, dass ich irgendwann anfing verschiedene Konferenzen zu besuchen, wie zum Beispiel die 7&7, die jedes Jahr auf einem anderen Kontinent stattfindet und die FIGT Konferenz, die 2020 in Bangkok hätte stattfinden sollen, plane ich meine Reisen inzwischen häufig um diese herum. Beispielsweise 2018, als die 7&7 in Kolumbien stattfand, habe ich daraus dann 6 Monate Süd- und Zentralamerika gemacht. Teilweise plane ich meine Reisen aber auch um andere Veranstaltungen wie zum Beispiel große Familienfeiern, Freunde, die heiraten oder ähnliches. Und natürlich spielt auch das Wetter keine unerhebliche Rolle bei meinen Planungen. 

 

2020 – alles anders als gedacht. 

Das Jahr fing arbeitsintensiv an – erst haben wir die LIT Community gelauncht, dann den Podcast und tja, dann war Anfang März und ich hatte mich auf eine etwas ruhigere Zeit gefreut. Aber wie bei so vielen, kam dann doch alles anders, wobei ich sagen muss, dass sich meine Arbeit und das Berufliche nicht viel verändert haben. Dadurch, dass ich schon lange vor der Pandemie online gearbeitet habe, hat sich für mich erstmal gar nicht so viel geändert. Aber die ganzen abgesagten Reisen und offline Arbeitspläne haben auch mein Jahr 2020 ganz schön verändert und ich konnte meine Anpassungsfähigkeit ganz schön unter Beweis stellen.

Wie es digitalen Nomaden in der Pandemie ergangen ist, damit haben wir uns auch in unserem Podcast beschäftigt, aktuell planen wir eine 2. Folge zu diesem Thema mit weiteren Einblicken aus der zweiten Hälfte des Jahres.

Wer sich unabhängig von den aktuellen Coronazeiten für den Alltag einer digitalen Nomadin und die Arbeit als Psychologin online interessiert, der wird auf meinem Blog regelmäßig mit neuen Informationen versorgt. Neben meinem eigenen Blog veröffentliche ich auch immer wieder mal einen Artikel an anderen Stellen, wie z.B. bei PsyLife, einem Online-Magazin für alle, die im Bereich Psychotherapie, Beratung und Coaching tätig sind.

Über die Jahre wurde ich auch des Öfteren interviewt, denn eine reisende Psychologin, die ist nach wie vor sowohl unter den digitalen Nomaden als auch unter den Psycholog*innen eine Exotin. Wenn Sie mehr erfahren möchten, sei es über das Leben als digitale Nomadin oder das Eröffnen einer eigenen Onlinepraxis, schauen Sie doch mal hier vorbei.

 

Und was hat sich beruflich getan in 6 Jahren als digitale Nomadin?

Vorrangig habe ich Psychologische Onlineberatung angeboten, was ich auch jetzt immer noch mache. Der überwiegende Teil meiner Klient*innen spricht Deutsch, wobei ich auch auf Französisch und Englisch arbeite. Bei meinen Klient*innen handelt es sich dabei überwiegend um Menschen, die im Ausland leben und nach einer Psychologin suchen, der ihren Lebensstil versteht und ihre Muttersprache spricht.

 

Während ich mich anfangs noch ganz auf die Onlineberatung konzentriert habe, kamen in den letzten Jahren noch weitere Projekte hinzu.

Anfang 2020 habe ich mit meiner Kollegin Carolin einen Podcast gestartet. In Mit Psychologie und Laptop um die Welt besprechen wir alles rund um das Thema digitale Nomaden. Unser Ziel ist es, einen realistischen Einblick in das digitale Nomadentum zu geben und mit Klischees aufzuräumen.

Ein weiteres Herzensprojekt gründete ich zusammen mit meiner Kollegin Melissa Parks. Die „Location Independent Therapists (LIT) Community“ ist, wie der Name schon sagt, eine Community für internationale Kollegen, die ebenfalls ortsunabhängig arbeiten. Dort treffen wir uns regelmäßig zu online Events, haben einen Buchclub, einen Filmclub, betreiben virtuelles Co-working und vieles mehr. Unsere Community Mitglieder schlagen auch immer wieder Themen und Veranstaltungen vor und teilen so ihre Expertise mit uns. Die Hauptsprache in unserer Community ist Englisch. Jedoch gibt es mittlerweile auch eine Intervisionsgruppe auf Spanisch und es soll auch bald eine auf Deutsch geben. Unsere Mitglieder kommen wirklich aus (fast) allen Teilen der Welt, aktuell aus Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Viele der Therapeuten sind multikulturell aufgewachsen, leben im Ausland und arbeiten natürlich auch unabhängig von der Pandemie online. Manche unserer Mitglieder stehen noch ganz am Anfang, andere arbeiten schon seit Jahren online, aber alle sind sie interessiert an einem Austausch und Unterstützung über Grenzen und Zeitzonen hinweg.

Im Jahr 2019 fing ich auch an, offline Workshops in Neuseeland zum Thema „psychische Gesundheit von Expats und international lebenden Menschen“ zu geben. Ich wurde dort damals im Rahmen der „Mental Health Awareness Week“ eingeladen. Ich habe dort Vorträge gehalten und wollte dies auch 2020 wieder tun, doch durch die Pandemie, klappte dieses Vorhaben leider nicht. Jedoch ist das auch eines meiner Ziele für die Zukunft, denn für mich als digitale Nomadin, die beruflich so gut wie alles online macht, ist es doch immer wieder schön in einem Raum mit Menschen zusammen zu sein und eine andere Dynamik zu erleben. Manchmal fehlt mir das offline Arbeiten nämlich auch, obwohl ich das online arbeiten und die Freiheiten, die es mir ermöglicht, sehr schätze.

 

Wo ich sonst noch so zu finden bin?

Die Hauptquelle, über die mich die meisten Klienten und auch Kollegen finden ist tatsächlich Google. Jedoch bin ich natürlich auch auf Social Media Plattformen aktiv. Man findet mich inzwischen nicht nur bei Facebook und Instagram sondern auch bei Pinterest. Mit Kollegen vernetze ich mich besonders gerne bei LinkedIn, aber auch bei Xing schaue ich ab und zu vorbei. Neben dem Posten von eigenen Inhalten nutze ich diese vor allem zur Vernetzung mit Kollegen, denn gerade wer online (und dabei oft alleine) arbeitet, für den ist der Austausch mit Kollegen besonders wichtig. So habe ich eine Facebook-Gruppe mit Kollegen, aus der im Laufe der Zeit erst eine Mastermindgruppe, dann ein Buchklub und nun auch die LIT Community entstanden ist.

 

Ich will auch reisen und online arbeiten…

Noch bevor ich die erste Klientin online hatte, bekam ich schon die erste Anfrage von einer Kollegin, die von mir wissen wollte, wie sie das auch tun könne, was ich mache. Damals konnte ich dazu noch nicht viel sagen, aber im Laufe der Jahre habe ich mir natürlich ein ganzes Stück Expertise in dem Bereich aufgebaut, die ich in unterschiedlichen Formaten immer wieder gerne mit Kollegen teile. Mein neuestes Projekt heißt „Die erfolgreiche Onlinepraxis“. Im Juni 2020 gab es dazu das erste Seminar und im November gab es eine neue Auflage, weitere sind für 2021 geplant.

Wer vielleicht erst einmal reinschnuppern möchte, um das Modell und uns besser kennenzulernen, findet uns auch auf YouTube:

 

Zusammengefasst: beruflich hat sich über die Jahre sehr viel getan und es bewegt sich auch heute noch unglaublich viel. Neue Projekte, Ideen und Vernetzung trotz oder sogar dank Corona-Pandemie!

 

Wie sieht es im Privaten aus? Wie gefällt mir das Leben als digitale Nomadin nach 6 Jahren?

Ich persönlich mag eine Mischung aus Reisen und neue Orte entdecken, aber auch an bestimmte Orte zurückzukehren. Ich liebe die Flexibilität, die mir dieses Leben bietet. Ich reise dabei im Vergleich zu vielen anderen digitalen Nomaden eher schnell und bin selten mehr als 1 bis 2 Monate in einem Land oder an einem Ort. Dafür kehre ich regelmäßig an bestimmte Orte zurück. Ich genieße es sehr, alte Freunde überall in der Welt wiederzusehen, oder sie zu treffen, wenn wir beide mal Urlaub haben (ja, auch digitale Nomaden machen Urlaub!). Viele Menschen in meinem Umkreis haben mich auch schon irgendwo besucht und ich liebe es Freunde und Familie zu Besuchen. Durch meinen bilingualen Sprachhintergrund war es schon immer so, dass Freunde und Verwandte in mehreren Ländern verstreut waren. Das hat sich durch das Nomadentum nur auf mehrere Kontinente erweitert. 

Meine Freunde, die in der digitalen Nomaden Community sind, sind mir ebenfalls sehr wichtig. Jeder Mensch braucht Freunde, die genau verstehen, wie man selbst lebt, weil sie einen ähnlichen Lebensstil haben. Ich versuche mich regelmäßig im Rahmen von Veranstaltungen mit diesem Teil meiner Freundesgruppe zu treffen. Manchmal versuchen wir auch unsere Reisekalender so abzustimmen, dass wir mal einen Monat in derselben Stadt sind. Wir freuen uns dann jedes Mal auf das gemeinsame Mittagessen, Kaffeetrinken oder einen Kinobesuch. Dinge, die für Menschen, die an einem Ort leben ganz normal und selbstverständlich sind, für digitale Nomaden jedoch eher selten. 

 

Was ist mein Fazit nach 6 Jahren als digitale Nomadin? Und wie geht es weiter?

Wenn ich eines mit diesem Rückblick zu meinen 6 Jahren als digitale Nomadin versucht habe mitzuteilen, dann war es, dass alles was ich mir aufgebaut habe, sich erst im Laufe der Zeit entwickelte. Am Anfang hatte ich wirklich keine Ahnung, das mein Leben in diese Richtung verlaufen würde und dass ich heute so viele interessante Projekte verfolgen würde. Ich lebe dieses Leben auch 6 Jahre später immer noch sehr gerne – heute wahrscheinlich sogar mehr denn je! Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich genauso für immer weitermachen werde. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, jedoch habe ich gelernt, dass es sich meistens anders entwickelt, als man vielleicht denkt. Es ist schön, manche Dinge offen zu lassen. Vielleicht werde ich in der Zukunft eine, zwei…, drei… oder gar keine Homebase haben. Vielleicht arbeite ich irgendwann wieder komplett anders, eventuell sogar als Angestellte. Wobei ich sagen muss, auch wenn man sich als Selbstständige immer mal wieder wünscht die Verantwortung abgeben zu können, genieße ich die Freiheit und die Flexibilität, die die Selbstständigkeit mir gibt doch sehr und kann mir nur schwer vorstellen das zu ändern.

Natürlich betreibe ich mein Business auch nicht komplett alleine, ich würde es überhaupt nicht schaffen, so viel zu tun, ohne Menschen, die mich unterstützen. Seit mehreren Jahren bekomme ich bereits durch ein Team von virtuellen Assistentinnen, Web Designerinnen und anderen fleißigen Helfern Unterstützung. Sie helfen mir, meine Webseite zu aktualisieren, neue Angebote zu erarbeiten, meine Social Media Plattformen mit Inhalten zu füllen, Newsletter vorzubereiten, Blogposts zu schreiben, hochzuladen und zu formatieren. Auch das ist erst mit der Zeit gewachsen, je erfolgreicher mein Online Business wurde.

Es ist schön, manche Dinge abgeben zu können, denn meine Kernexpertise sind weder Social Media noch das Erstellen einer Website, sondern die Psychologie. 

 

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, bedanke ich mich. Danke fürs Lesen und die Unterstützung in über 6 Jahren als digitale Nomadin, egal wie lange Sie bisher dabei sind. Ich jedenfalls freue mich auf weitere spannende Jahre als digitale Nomadin und Online Psychologin. Und wenn Sie Fragen haben, dann immer her damit! Ich freue mich immer, wenn ich Reaktionen erhalte auf das, was ich so raus schicke in die weiten Welten des Internets.

6 Jahre digitale Nomadin