Fällt es Ihnen schwer, alleine zu sein? Oder vielleicht empfinden Sie es sogar als unangenehm, Zeit ohne Gesellschaft zu verbringen? In unserer von sozialen Interaktionen geprägten Gesellschaft scheint das Alleinsein oft wie ein Makel zu wirken. Wir leben in einer Welt, in der es als normal gilt, ständig von Menschen umgeben zu sein – sei es bei der Arbeit, im Freundeskreis oder in den sozialen Netzwerken. Und doch stellt sich die Frage: Wann haben Sie das letzte Mal bewusst Zeit alleine verbracht – sei es bei einem Kinobesuch, in einem Café oder bei einem gemütlichen Essen im Restaurant?

 

Alleine Unterwegs - Mut zur Einsamkeit

Foto: Ant Rozetsky, Unsplash

 

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen genau davor zurückschrecken. Mir erzählte einmal jemand, er würde selten ins Kino oder in Restaurants gehen, weil er Single sei und seine Freund*innen und Bekannten selten Zeit hatten. Als ich vorschlug, doch einfach mal alleine ins Restaurant, Kino oder Café zu gehen, schaute er mich nur überrascht und leicht irritiert an. Kommt Ihnen diese Reaktion bekannt vor?

Immer wieder begegne ich Menschen, die den Gedanken, etwas alleine zu unternehmen, als unangenehm oder sogar angsteinflößend empfinden. Häufig verbirgt sich dahinter die Sorge, was andere von einem denken könnten: „Schaut mal, sie hat wohl niemanden, deshalb sitzt sie alleine hier.“ Oder: „Was für ein Mensch muss das sein, wenn niemand mit ihm essen gehen will?“ Manche fragen sich auch: „Ist etwas überhaupt etwas was wert, wenn man es nicht mit jemandem teilt?“.

Auch die Frage, was man alleine in einem Restaurant machen soll, stellt sich oft. Während sich um einen herum Paare und Gruppen (scheinbar) angeregt unterhalten, fühlt man sich schnell wie ein Außenseiter. Ein Buch oder das Smartphone können in solchen Momenten Ablenkung bieten – doch ist das wirklich die Lösung? Oder macht es die Situation nur noch unangenehmer?

 

Alleine unterwegs – ein Gedankenexperiment

 

Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiederfinden, dann lade ich Sie zu einem kurzen Gedankenexperiment ein. Erinnern Sie sich an das letzte Mal, als Sie in einem Restaurant waren? Wahrscheinlich waren Sie in Gesellschaft, aber denken Sie nun einmal an die anderen Menschen im Lokal. Waren alle in Gruppen oder Paaren unterwegs oder gab es auch Menschen, die alleine aßen? Und was haben Sie bei deren Anblick gedacht? Fiel Ihnen überhaupt jemand auf, der alleine war?

Vielleicht erinnern Sie sich gar nicht so genau, weil Sie in Ihr eigenes Gespräch vertieft waren und Ihr Umfeld nicht bewusst wahrgenommen haben. Oder vielleicht haben Sie jemanden bemerkt, der alleine speiste – haben Sie wirklich all die negativen Gedanken gehabt, die Sie vielleicht selbst befürchten, wenn Sie alleine unterwegs sind?

Nun stellen Sie sich vor, Sie gehen tatsächlich alleine ins Restaurant. Probieren Sie es gedanklich aus. Welche Gefühle und Gedanken kommen auf? Und was könnten die anderen Gäste denken? Tatsächlich dieselben negativen Annahmen, die Sie fürchten? Oder vielleicht etwas völlig anderes?

 

 

Alleine unterwegs – und wenn schon?

 

Und wenn es so ist? Wenn ich jetzt, hier und heute niemanden habe, der Zeit oder Lust hat, mit mir ins Kino zu gehen? Sollte ich dann auf den Film verzichten, nur weil jemand schlecht über mich denken könnte? Bedeutet dies automatisch, dass ich ganz alleine in der Welt bin, keine Freund*innen habe und nie haben werde? Oder bedeutet es nicht vielmehr, dass ich den Mut hatte, heute alleine hierher zu gehen, obwohl mich niemand begleiten konnte?

Oder bedeutet es vielleicht auch einfach, dass es mich nicht stört, alleine zu sein? Dass mich der Blick der Anderen (ob eingebildet oder real) nicht ernsthaft kümmert? Vielleicht genieße ich es sogar, hin und wieder alleine etwas zu unternehmen.

Und wussten Sie, dass das, was als „normal“ angesehen wird, stark von der Kultur abhängt? In Japan zum Beispiel ist es völlig üblich, alleine unterwegs zu sein – so gibt es dort viele Restaurants mit Plätzen an der Bar, die gezielt für Einzelgäste konzipiert sind. Diese Sitzvarianten schaffen eine Atmosphäre, in der das Alleinsein nicht als ungewöhnlich betrachtet wird, sondern als normaler Teil des Alltags. Es zeigt, dass kulturelle Unterschiede eine große Rolle dabei spielen, wie wir das Alleinsein wahrnehmen und wie wir damit umgehen.

 

 

Alleine unterwegs – das hat auch Vorteile!

 

Denn ja, alleine unterwegs zu sein, hat durchaus auch Vorteile. Ich kann mich in Ruhe meinen Gedanken widmen, ich muss mich nicht unterhalten, wenn mir nicht danach ist, ich muss keine Kompromisse eingehen und kann meine Zeit und meine Entscheidungen ganz nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten. Zudem bietet es mir die Chance, mein Umfeld bewusster wahrzunehmen. Vielleicht fällt mir dann auf, wie viele der Paare um mich herum schweigend nebeneinander sitzen oder in hitzige Diskussionen verstrickt sind.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, und es ist auch nicht immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Manchmal ist das Alleinsein eine der größten Freiheiten, die wir uns selbst schenken können. Probieren Sie es aus – es könnte sich lohnen!

 

 

*****

 

 

Wie stehen Sie zum Thema Alleinsein und alleine unterwegs sein? Wenn Sie weitere Einblicke und Tipps zu Themen wie diesen erhalten möchten, dann abonnieren Sie meinen monatlichen (englischen) Newsletter.

 

 

Alleine unterwegs

Foto: Annie Williams, Unsplash

 

Subscribe now for monthly tips and exercises for your mental health & exclusive insights into my virtual practice

Thanks! Don't forget to check your inbox and confirm your subscription! See you soon

🎓 Neu: Jetzt den Onlinekurs „Videogespräche professionell gestalten" entdecken →