In meiner Onlinepraxis empfehle ich meinen Klient*innen des Öfteren, sich doch einmal selbst einen Brief zu schreiben. So auch wieder vor einiger Zeit. Warum? Nun, in diesem konkreten Fall war der Anlass, dass es meiner Klientin durch unerwartete Ereignisse viel besser ging als noch vor wenigen Wochen. Da sie plötzlich voller Energie und Lebensfreude sprühte, ging es darum, diese Energie möglichst lange zu erhalten. Die Gefahr, dass der Alltag und damit die ursprünglichen Probleme bald zurückkehren, war groß, denn es hatte sich ja nichts Grundlegendes an ihrer Situation geändert, sondern nur vorübergehend an ihrer Einstellung dazu. Für den Moment ist das zwar wunderbar, aber ihre psychischen Probleme können jederzeit zurückkehren. Und genau hier kommt die Idee des Briefs an sich selbst ins Spiel. In diesem Post möchte ich Ihnen vorstellen, wie Sie diese praktische Übung nutzen können, um sich selbst zu unterstützen und sich in schwierigen Zeiten zu stärken.

 

Brief an sich selbst – Techniken der Onlineberatung

Foto: Debby Hudson, Unsplash

 

 

Worauf Sie beim Brief an sich selbst achten sollten

 

Ein Brief an sich selbst wird aus der aktuellen Perspektive und Stimmung heraus an das frühere und möglicherweise zukünftige Ich gerichtet. Das Ziel ist es, alles festzuhalten, was im Moment vollkommen klar und offensichtlich, aber vor kurzem noch unerreichbar oder sinnlos erschien. Der Brief dient als Erinnerung und Unterstützung für schwierige Zeiten.

Bei der Verfassung eines solchen Briefs ist es wichtig, einige Dinge zu beachten:

Schreiben Sie den Brief, wenn es Ihnen gerade gut geht. Nehmen Sie sich dafür Zeit und schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre, beispielsweise mit einem schönen Stift und besonderem Papier.

Wählen Sie einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und frei von Ablenkungen sind. Lassen Sie Ihre Gedanken fließen und schreiben Sie so persönlich und offen wie möglich.

Bewahren Sie den Brief an einem sicheren, aber leicht zugänglichen Ort auf. So können Sie ihn immer dann lesen, wenn es Ihnen schlechter geht oder Sie Bedarf an Unterstützung haben.

 

 

Inhalt des Briefs an sich selbst

 

Was sollte also in einem solchen Brief enthalten sein? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Inhalte können je nach individueller Situation und Problematik variieren. Wo sollten Sie also beginnen? Stellen Sie sich vor, wie es Ihnen in schwierigen Phasen geht. Was möchten Sie sich aus der heutigen Perspektive heraus sagen? Welche Aufmunterungen oder Ideen könnten Ihnen helfen? Woran möchten Sie sich erinnern? Das können Ihre eigenen Stärken, mögliche Lösungsansätze oder auch Unterstützungsmöglichkeiten sein. Seien Sie einfühlsam und mitfühlend mit sich selbst. Vor allem aber: Bewahren Sie ihn an einem Ort auf, an dem Sie ihn leicht finden können, falls Sie ihn benötigen und hinterlegen Sie sich ggf. auch eine Erinnerung daran – z.B. auf Ihrem Handy oder an einem anderen Ort, an den Sie an schlechten Tagen automatisch hinschauen. Lesen Sie ihn, wenn es Ihnen schlechter geht und Sie ein paar Tipps oder etwas Zuwendung gebrauchen können.

Diese Übung hilft dabei, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Indem wir uns selbst Ratschläge geben, uns an unsere Stärken und Potenziale erinnern, helfen wir uns selbst dabei, Krisen besser zu bewältigen. Eine weitere schöne Übung rund um das Briefeschreiben, die zur Selbstreflexion anregt, ist das Festhalten eigener Wünsche, Ziele und Gedanken, mit dem Ziel, diesen Brief beispielsweise ein oder sogar fünf Jahre später zu lesen.

 

 

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Haben Sie schon einmal einen Brief an sich selbst geschrieben? Oder schreiben Sie vielleicht regelmäßig Tagebuch? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Für weitere Tipps und Tricks rund um Ihre psychische Gesundheit abonnieren Sie meinen (englischen) Newsletter!

 

Brief an sich selbst – Techniken der Onlineberatung

Foto: Kate Macate, Unsplash

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