Gerade haben wir in unserem „Online Therapeuten Buchklub“ das neueste Buch von Yalom, seine Memoiren gelesen, da wurde es höchste Zeit, dass ich mal ein paar seiner anderen Bücher wieder heraushole. Haben Sie seine Bücher gelesen? Sie wurden nicht nur alle auch ins Deutsche übersetzt, sondern sind in Deutschland zum Großteil sogar erfolgreicher gewesen als in seinem Heimatland, den USA. Warum das wohl so ist?

Die Liebe und ihr Henker

 

Dr. Irvin D. Yalom, emeritierter Professor für Psychiatrie der Stanford University, ist ein US-amerikaner Psychotherapeut und Schriftsteller. Als Psychoanalytiker und Vertreter der existentiellen Psychotherapie ist es ihm durch seine Bücher gelungen sowohl der Fachwelt als auch einem breiteren Publikum sehr lesenswerte Einblicke in seine Arbeit und Vorgehensweise zu geben.

In dem Buch “Die Liebe und ihr Henker” widmet sich Yalom den existentiellen Ängsten seiner Patienten. In 10 sehr unterschiedlichen Fallgeschichten schildert der Autor die Anliegen seiner Patienten und die gemeinsame Arbeit. Und obwohl die Patienten zunächst sehr unterschiedlich erscheinen, so haben sie doch erstaunlich viel gemeinsam.

„Ich arbeite nicht gerne mit Patienten, die verliebt sind. Vielleicht ist es Neid, auch ich sehne mich nach dem Zauber der Liebe. Vielleicht ist es die Tatsache, dass Liebe und Psychotherapie im Grunde unvereinbar sind. Ein guter Therapeut kämpft gegen die Dunkelheit und sucht Erleuchtung, während die romantische Liebe im Mysterium Nahrung findet und bei näherer Prüfung in sich zusammenfällt. Ich hasse es, der Henker der Liebe zu sein. Doch obwohl Thelma mir gleich zu Beginn unseres ersten Gesprächs erzählte, dass sie in eine hoffnungslose, tragische Liebe verstrickt sei, habe ich nie auch nur eine Minute gezögert, sie als Patientin anzunehmen. Alles, was ich auf den ersten Blick sah – das faltige Gesicht einer Siebzigjährigen, das schüttere, mit Wasserstoffsuperoxyd gebleichte, ungepflegte gelbliche Haar, die mageren blaugeäderten Hände –, sagte mir, dass sie sich irren musste, dass das nicht wahr sein konnte. Wie konnte die Liebe einen so gebrechlichen, klapprigen, alten Körper auswählen oder sich in diesem abgetragenen Jogginganzug aus Polyester niederlassen?“

… so beginnt die erste Geschichte in dem Buch Die Lieber und ihr Henker. Erstaunlich, oder? Hätten Sie gedacht, dass ein Therapeut so denken kann (und das auch noch laut äußern würde)?

Diese und weitere Geschichten geben einen spannenden Einblick in die Arbeitsweise von Yalom, in die Leiden und Freunden seiner Patienten und natürlich der immer wieder im Zentrum stehenden Beziehung zwischen Yalom und seinen Patienten. Immer wieder werden aktuelle Ereignisse im Lichte dieser therapeutischen Beziehung reflektiert und der Therapeut wirkt oftmals mehr wie ein Freund denn ein Arzt. Gleichzeitig ist es gerade die Nähe und Offenheit, die es den Patienten erlaubt ihre Probleme in einem neuen Licht zu sehen und zu überwinden.

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Haben Sie “Die Liebe und ihr Henker” oder andere Bücher von Yalom gelesen? Was halten Sie von seiner Arbeitsweise? Oder haben Sie vielleicht den Dokumentarfilm über Yalom und sein Lebenswerk gesehen?

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