Emotionen sind ein ständiger Begleiter in unserem Leben. Wir alle haben sie, wir alle wollen sie und wir alle leiden manchmal unter ihnen. Und wie so viele Dinge im Leben ist es nicht immer einfach, sie zu kontrollieren. Aber vielleicht ist das auch nicht unbedingt so wichtig?

 

 

Gefühle - alles unter Kontrolle?

Foto: David Garrison, Pexels

 

 

Gefühle in unserer Gesellschaft

 

Die gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Emotionen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Während noch vor nicht allzu langer Zeit erwartet wurde, dass Jungen immer stark sind und ihre Gefühle unter Kontrolle haben, werden heutige Männer dazu aufgefordert, Emotionen zu zeigen – aber bitte nicht übermäßig. Frauen hingegen dürfen weinen – aber nicht übertrieben dramatisch sein. Wenn sie jedoch ihre Karriere vorantreiben wollen, wird von Frauen erwartet, ihre Emotionen zu verbergen und sich „wie Männer“ zu verhalten.

Diese und viele weitere Widersprüche und Erwartungen im Umgang mit Emotionen verunsichern viele Menschen. Wir leben in einer Welt, in der der Ausdruck von Gefühlen oft beurteilt wird, und unser Vokabular ist mit Begriffen wie „Weichei“, „Memme“, „Drama-Queen“ oder „Zicke“ belastet. Als Folge fühlen sich viele Menschen von starken Emotionen überwältigt und versuchen, sie zu verbergen oder zu unterdrücken, oft ohne Erfolg.

 

 

Nutzen und Möglichkeiten

 

Eine mögliche Lösung könnte sein, anzuerkennen, dass Gefühle gut und wichtig sind. Aus evolutionärer Sicht sind sie dies auch. Starke Emotionen wie Angst z.B. informieren uns über potenzielle Gefahren. Sie zeigen an, dass etwas nicht stimmt, dass wir vorsichtig sein oder fliehen sollten.

Obwohl diese Emotionen zweifellos nützlich sein können, neigen sie in der modernen Welt dazu, in Situationen aufzutauchen, in denen sie nicht unbedingt angemessen oder notwendig sind. Gefühle sind also gut und wichtig, aber sie sollten in Maßen genossen werden, wie so viele Dinge im Leben, von Alkohol bis Schokolade und Sport. Aber das ist leichter gesagt als getan. Wer hat schon völlige Kontrolle über seine Gefühle? Oft sind Gefühle doch etwas, das nicht (völlig) unserem Willen unterliegt, sondern vielmehr etwas, das – mehr oder weniger plötzlich – auftaucht und uns auch mal überwältigt.

Was tun also, wenn einen die Gefühle übermannen? Sollten wir sie unterdrücken? Zulassen, dass sie uns überwältigen? Sie ausleben? Was wäre der goldene Mittelweg, gibt es den überhaupt und wäre er sinnvoll?

 

 

Gefühle und Achtsamkeit

 

Was sich in diesen Fragen vor allem zeigt, ist unser Wunsch zu handeln. Wir sind dazu erzogen und unser Gehirn ist darauf eingestellt, dass wir etwas tun (müssen). Aber wer sagt das? Warum müssen wir immer etwas tun und verändern?

Wie wäre es stattdessen, wenn wir (starke) Gefühle erst einmal akzeptieren? Die Emotionen beobachten, hinnehmen und erleben? Also ganz bewusst wahrnehmen, was da gerade vorgeht in unserem Körper und Geist. Welche Gedanken, welche Körperempfindungen gehen mit den Gefühlen einher? Um welche Gefühle handelt es sich genau? Wodurch wurden sie ausgelöst? Allein durch das genauere Beobachten stellen wir eine gewisse innere Distanz zu diesen Gefühlen her. Wir erleben sie, sie sind Teil von uns, aber wir sind mehr als nur diese Gefühle und wir sind ihnen auch nicht hilflos ausgeliefert.

Dieser Prozess kann oft bereits dazu beitragen, starke Gefühle besser zu verstehen und auszuhalten, ohne sie zu unterdrücken oder zu versuchen sie abzustellen, sondern einfach durch wertfreie Beobachtung und Beschreibung. Den meisten Menschen fällt dies nicht auf Anhieb leicht, aber es lässt sich üben, z.B. mittels Tagebuchaufzeichnungen oder Gefühlsprotokollen – allein oder auch im Rahmen einer psychologischen Beratung.

 

 

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Gefühle - alles unter Kontrolle?

Foto: Andrea Piacquadio, Pexels

 

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