Je länger ich unterwegs bin und als digitale Nomadin die Schönen und die Schlechten Seiten des Dauerreisens erlebe, desto häufiger wird mir, zumindest gefühlt, die Frage gestellt, wo eigentlich mein Zuhause ist? Oder ob ich dieses nicht vermisse.

Vor nun schon mehr als 1000 Tagen habe ich mein „Zuhause“ verlassen, habe mir eine Auszeit genommen, aus der sich im Laufe der Zeit ein neuer Lebensstil und ein online business entwickelt haben. Seitdem habe ich in diesem alten Zuhause jeden Sommer mehrere Wochen verbracht. Ich habe dort noch ein Zimmer, ein paar Möbel und im Schrank hängt auch noch etwas Kleidung – insbesondere die Wintersachen, die habe ich unterwegs nur selten gebraucht…

 

1000 Tage auf Reisen

In den letzten 1000 Tagen habe ich verschiedene Ecken der Welt erkundet, war in Nordamerika, Südostasien, Australien und Neuseeland und habe Neues in Europa kennengelernt und Altbekanntes wiedergesehen. An manchen Orten bin ich länger geblieben, an anderen nur wenige Tage. Ich bin alleine gereist, mit meinem Partner und mit Freunden und Familie. Viele dieser Orte sind mir vorübergehend zu einem Zuhause geworden. Auf einer Thailändischen Insel bin ich lange genug geblieben um mich häuslich ein wenig einzurichten, habe mir ein Moped gekauft, einen Wasserkocher, einen Topf und Geschirr. In Australien hatte ich ein Fahrrad und wurde damit von den Einheimischen wie ein Ausserirdischer angeschaut und mehrfach beinahe überfahren, noch häufiger aber zumindest wüst beschimpft. An manchen Orten habe ich mich sofort wie Zuhause gefühlt, ganz unabhängig davon, wie lange ich dort war. Manchmal waren es die Menschen, manchmal die Natur – es geht nichts über einen tollen Blick vom eigenen Balkon um sich sofort heimisch und wohl zu fühlen!

 

Büro mit Ausblick

 

Zuhause ist, wo mein Bett ist…

Mein Bett steht in Leipzig. Aufgewachsen bin ich aber in München, habe dann in Chemnitz studiert und in Erfurt gelebt. Ich liebe Leipzig, aber ist das meine Heimat? Oder ist es doch München, wo ich ursprünglich her komme? Wobei, das Bett, mit dem ich aufgewachsen bin, das gibt es auch schon lange nicht mehr… Oder ist es vielleicht doch Frankreich, meine 2. Nationalität, Muttersprache und Kultur und das Land, in dem meine Mutter lebt? Das Land von dem aus ich diesen Text hier fertig schreibe und hochlade?

 

Zuhause ist wo mein Bett ist

 

Ganz ehrlich, so toll ist mein Bett nun auch nicht. Da habe ich in der Zwischenzeit unterwegs auf deutlich bequemeren gelegen… Das Bett vor ein paar Wochen in Sarajevo z.B. war richtig toll, das Sofa auch. Wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es, dass meine eigenen Möbel und Gegenstände nicht wirklich entscheidend sind. Ich muss nicht umgeben sein von meinen Sachen, um mich wohl zu fühlen. Ich reise gerne mit möglichst wenig Gepäck und habe auch kein Problem damit immer wieder dieselbe Kleidung zu tragen. Ich freue mich aber jedes Mal sehr darüber, wenn es irgendwo ein gutes Bett, bequeme Kopfkissen und vielleicht sogar ein Sofa gibt.

 

Zuhause ist, wo mein Handy sich automatisch mit dem Wlan verbindet

home is where the wifi...

 

Klingt ja spontan ganz gut, aber äh, Moment mal…!? Wenn es danach ginge, dann bin ich ja einfach überall zu Hause. In jeder Airbnb-Wohnung in der ich in den letzten Monaten war (und das waren so einige, und die waren auch nicht immer nur toll), in jedem zweiten Restaurant in dem ich gegessen habe oder jedem Café in dem ich einen Blogartikel geschrieben habe… Dafür musste ich vor Kurzem bei meiner Mutter das Passwort neu eingeben, denn das hat sich seit meinem letzten Besuch geändert. Also nein, mit dem Wlan hat mein Zuhause wenig zu tun. Ohne Wlan kann ich allerdings nicht arbeiten und kaum leben, insofern ist vielleicht doch was dran. Zur Not tut es aber auch die Simkarte mit genug Gigabytes mobilen Daten 😉

 

Heimat ist, wo mein Herz ist…

home is where the heart is

 

Aber wo ist mein Herz? Bei meinen Freunden und Verwandten in Deutschland, Frankreich oder Australien? An all diesen tollen Stränden, die ich entdeckt habe oder auf den Bergen, die ich erklommen habe? In den Städten, in die ich mich verliebt habe? Ist mein Herz wirklich nur an einem Ort? Habe ich ein Stückchen meines Herzens zurückgelassen an diesen Orten oder habe ich einfach ein Stück dieser Orte mitgenommen?

Anders betrachtet: mein Herz ist in meinem Körper. Ist also vielleicht mein Körper meine Heimat?

 

Mein Zuhause, bin ich das?

Dies ist ein Artikel, den ich schon länger mit mir herumtrage. Immer wieder taucht diese Frage in meinem Leben auf und immer wieder nehme ich mir vor meine Gedanken dazu aufzuschreiben. Aber irgendwas hat mich auch immer wieder davon abgehalten. Gleichzeitig immer wieder habe ich Dinge gefunden, die mich daran erinnert haben, Fotos und Gegenstände oder auch mal ein Geschäft. Ich habe diese fotografiert und mir vorgenommen, irgendwann mal diesen Artikel zu schreiben. Das habe ich nun getan. Schlauer als vorher bin ich aber trotzdem nicht wirklich.

Warum? Gute Frage. Vermutlich weil ich keine Antwort auf die Frage weiß. Immer noch nicht. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig.

Vielleicht geht es sogar genau darum, sich Fragen zu stellen, ohne immer sofort eine Antwort darauf zu finden.

 

Gibt es denn wirklich nur eine Heimat? Ist Heimat und Zuhause dasselbe oder handelt es sich doch eher um zwei unterschiedliche, wenn auch miteinander verwandte Konzepte? Ist Heimat überhaupt ein Ort? Wenn ja, dann ist wahrscheinlich Europa meine Heimat. Aber im Grunde, bemühe ich mich doch vor allem darum, mich dort wohl zu fühlen, wo ich gerade bin. Denn wenn ich nur ständig Heimweh hätte, dann würde mein Leben als Digitale Nomadin wenig Sinn machen. Mein Zuhause bin also vielleicht doch ich. Und mein Telefon und mein Laptop, denn ohne diese könnte ich den Kontakt zu all den anderen tollen Menschen und Orten auf der Welt nicht halten… (und das Geld nicht verdienen, das mir dieses Leben ermöglicht).

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