Anna, Anfang 30, hat eigentlich alles, was sie sich immer gewünscht hat: zwei Kinder, einen Job, den sie liebt, und ein frisch gebautes Eigenheim. Seit ihrer Rückkehr aus der Elternzeit arbeitet sie in Teilzeit. Jeden Montag geht sie zum Sport, und einmal im Monat trifft sie sich mit ihren Freundinnen. Am Wochenende unternimmt die Familie schöne Ausflüge ins Grüne. Auf den ersten Blick scheint Anna das perfekte Leben zu führen – genau das, was sie sich immer gewünscht hatte.
Auch ihre Freundinnen bewundern sie: Ihr Mann ist liebevoll, kümmert sich um die Kinder, bringt sie morgens in die Kita und ist ein engagierter Partner. Für beide ist es selbstverständlich, dass sie mal gemeinsam, mal getrennt ausgehen. Zuhause gibt es gemütliche Filmabende, und sie führen Gespräche über mehr als nur Haushalt und Kinder – über Hoffnungen, Träume und die Welt im Allgemeinen.

Foto: Dakota Corbin, Unsplash
Alles perfekt, oder?
Und doch spürt Anna eine innere Leere. Sie fühlt sich müde, energielos, manchmal auch ängstlich. Aber warum? Sie hat doch alles, was sie sich immer gewünscht hat. Nach den stressigen, intensiven Jahren mit kleinen Kindern wird es doch jetzt ruhiger. Warum fällt es ihr trotzdem so schwer, das zu genießen? Warum kann sie nicht einfach entspannt mit einem Buch auf dem Sofa sitzen?
Sie fragt sich, ob es daran liegt, dass sie ein paar Jahre aus dem Job raus war – oder ob Teilzeit vielleicht wirklich so anstrengend ist, wie alle sagen. Was hat es mit der viel diskutierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich auf sich? Geht es nur um Zeitmanagement, Delegieren und Gleichberechtigung in der Partnerschaft?
Selfcare – und trotzdem fehlt etwas
Anna probiert vieles aus, organisiert, optimiert, nimmt sich Zeit für sich. Ein heißes Bad, eine Duftkerze – schließlich wird einem auf Instagram doch ständig suggeriert, dass das die Lösung für alle Probleme sei. Aber am Ende bleibt das Gefühl, dass mehr dahinterstecken muss.
Warum fühlt sich Anna, trotz all der scheinbar perfekten Umstände, so verloren? Warum weiß sie nicht mehr, wer sie ist und was sie vom Leben will? Dieses nagende Gefühl, dass etwas nicht stimmt, höre ich oft von meinen Klient*innen – besonders von jungen Müttern.
Den Gefühlen auf den Grund gehen
Für Anna ging es darum, ihre Erwartungen und Rollenbilder zu hinterfragen und beruflich neue Wege zu gehen. Für Maria war es entscheidend, die Beziehung zu ihrer Mutter aufzuarbeiten und sich selbst besser kennenzulernen. Für Sandra stand im Mittelpunkt, zu lernen, dass auch Traurigkeit und Wut ihren Platz haben dürfen. Und für Paul war es wichtig, sich den eigenen Ängsten und Unsicherheiten zu stellen.
Für alle bedeutete es, bewusst Zeit dafür zu schaffen, ihren Gefühlen auf den Grund zu gehen. Nicht nachts alleine im Bett, wenn der Schlaf trotz unendlicher Müdigkeit nicht kommen mag, sondern aktiv und begleitet – zum Beispiel in einer psychologischen Onlineberatung. Denn es muss nicht erst alles aus den Fugen geraten, bevor Sie sich Unterstützung suchen. Manchmal reicht schon ein erstes Gespräch, um Licht ins Dunkel zu bringen und die nächsten Schritte zu finden.
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