Haben Sie sich schon einmal in einem Meme wiedererkannt oder vielleicht sogar durch ein Meme etwas über sich selbst gelernt? Vielleicht haben Sie einer Person, die Ihnen nahesteht, oder Ihrem/r Therapeut*in sogar mal ein Meme gezeigt, das Sie beeindruckt hat? Wenn ja, dann sind Sie nicht allein. 

 

Memes in der Therapie und psychologischen Beratung

Foto: SHVETS production, Pexels

 

Memes haben sich über die Jahre als fester Bestandteil der Netzkultur etabliert. Die humorvollen Bilder oder Videos, die in der Regel einen kurzen, lustigen Text enthalten, sind oft satirisch und gesellschaftskritisch. Sobald Sie sich bei einem Ihrer Konten in den sozialen Medien anmelden, werden Sie wahrscheinlich schnell auf ein Meme stoßen.

Memes sind nicht nur unterhaltsam, sie können auch aufklären und als Kommunikationsmittel dienen. Es passiert nicht selten, dass ein Meme in einer Person einen Denkprozess anstößt, der zu einer neuen Erkenntnis über sich selbst führen kann. Ich selber verwende Memes schon seit vielen Jahren in meiner Praxis – sowohl relevante Memes auf die ich selbst gestoßen bin, also auch welche die meinen Klient*innen aufgefallen sind. In vielen Fällen konnten sie dazu beitragen, ein Gespräch anzuregen und führten zu einer erfolgreichen und produktiven Sitzung. 

 

 

Gründe für den Einsatz von Memes in Therapie und Beratung

 

Zur Erleichterung der Kommunikation

In Therapie und psychologischer Beratung können Memes kreativ eingesetzt werden, damit sich Personen verstanden und gesehen fühlen. Sie können dazu beitragen, eine Kommunikationslücke zwischen Klient*in und Therapeut*in zu schließen. 

Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann der Einsatz von Memes in Therapie und Beratung sehr hilfreich sein. Anstelle von “Ich weiß nicht, wie ich mich fühle” könnte die Person etwa sagen “Ich weiß nicht genau, wie ich mich fühle, aber ich konnte viel mit diesem Meme anfangen”. Auf diese Weise müssen Gefühle nicht direkt in Worte gefasst werden – was für manche eine Herausforderung sein kann – sondern können mit Hilfe eines Memes ausgedrückt werden, das für einen spricht.

 

Für pädagogische Zwecke

Psychoedukation ist ein weiterer Grund, warum Memes nützlich sein können. Viele Menschen fühlen sich allein mit ihren Sorgen und Problemen. Memes können dabei helfen, zu erkennen, dass andere mit denselben Problemen zu kämpfen haben, und sie können über die möglicherweise zugrunde liegende psychische Erkrankung aufklären. Für viele ist es eine große Erleichterung, endlich einen Namen für die Symptome zu haben, unter denen sie ihr Leben lang gelitten haben.

Ein Beispiel: Ein Meme über ADHS könnte einer Person, die sich oft unruhig fühlt und schnell die Konzentration verliert, helfen, zu verstehen, dass sie möglicherweise an einer Form von ADHS leidet. Die Illustratorin Dani Donovan, zum Beispiel, hat einen Comic kreiert, der zeigt, wie sich Menschen mit ADHS von einer langen To-Do Liste so überfordert fühlen können, dass sie es kaum schaffen überhaupt etwas zu erledigen. 

 

 

Erkenntnisse wie diese können den Betroffenen helfen, sich selbst besser zu akzeptieren und Fähigkeiten und Methoden zu erlernen, die ihnen das Leben leichter machen. Eine tolle Podcastfolge zu diesem Thema ist “Neurodivergent Nomads” von Nomad + Spice.

Memes können von Fotos bis hin zu Comics, Illustrationen und kurzen Videos, wie Reels und Tiktoks, reichen. Ein Meme, von dem mir viele Klienten*innen in meiner Online-Beratungspraxis erzählt haben, ist der Comic “You should have asked” von Emma Clit. Sie beschreibt die psychische Belastung einer Mutter, die sich um den Haushalt kümmert, während sie gleichzeitig Ihren Job, die Kinderbetreuung und alles andere, was so zum Leben dazu gehört, unter einen Hut bringen muss. Dank Emmas Comics sind viele Menschen auf das Konzept des Mental Loads aufmerksam geworden und haben gelernt, wie viele Frauen davon betroffen sind. Wenn Sie gerne mehr über das Mental Load Phänomen erfahren möchten, können Sie diesen Blogartikel lesen, den ich kürzlich zu dem Thema veröffentlicht habe.

 

 

Wie können Memes in der Therapie eingesetzt werden?

 

Es gibt zwei Möglichkeiten, Memes in der Therapie und psychologischen Beratung zu verwenden. 

 

1. Der/die Therapeut*in bringt Memes mit in die Sitzung

Der oder die Therapierende stellt eine eine Sammlung von Memes zur Vefügung, aus der die Person sich aussuchen kann, welche ihr am meisten zusagen. Bei der Arbeit mit einem/r neuen Klienten*in können sie auch als Gesprächsansatz dienen und den Einstieg in ein Thema erleichtern. Einige gute Ressourcen um Memes zu finden, sind 9GAG.com, Twitter und Instagram. Ich empfehle die Memes, die Ihnen gefallen, in einem Cloud-basierten Dienst zu speichern, damit Sie von mehreren Geräten darauf zugreifen können.

 

2. Der/die Klient*in bringt Memes mit zur Sitzung 

Dies sollte nur geschehen, wenn die Person bereits Erfahrung mit Memes hat. Andernfalls könnten sie auf problematische Webseiten geleitet werden, die möglicherweise der psychischen Gesundheit schaden. Indem Sie Ihre Klient*innen auffordern, ihre eigenen Memes mitzubringen, können Sie sie zur Selbstreflexion anregen, zum Beispiel indem Sie sie bitten, eine Meme-Seite zu durchstöbern und die drei Memes zu speichern, die ihren derzeitigen psychischen Zustand am besten ausdrücken. 

 

Eine dritte Möglichkeit, Memes in der Therapie und psychologischen Beratung einzusetzen, besteht darin, gemeinsam ein Meme zu erstellen. Auch dies fördert die Selbstreflexion auf kreative und humorvolle Weise. Sie können Ihr eigenes Meme mit Hilfe eines Meme-Generators erstellen.

 

 

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Wenn Sie bereits Therapieerfahrung haben, haben Sie schon einmal Ihr eigenes Meme mit zu einer Sitzung gebracht? Oder würden Sie es in Zukunft machen, jetzt wo Sie wissen wie Memes in der Therapie eingesetzt werden können? 

Und wenn Sie Therapeut*in sind, haben Sie jemals mit Memes in Ihrer Praxis gearbeitet?

Ich würde mich freuen, zu hören, welche Erfahrungen Sie mit Memes in der psychologischen Beratung gemacht haben!

 

 

Memes in der Therapie und psychologischen Beratung PIN

Foto: Ketut Subiyanto, Pexels

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