Der Druck, in kürzester Zeit immer mehr zu erledigen, scheint in unserer heutigen, schnelllebigen Welt so groß wie nie zuvor zu sein. Ob berufliche Verantwortung oder persönliche Verpflichtungen, es fühlt sich oft so an, als würden wir ständig in verschiedene Richtungen gezogen. Um dabei den Überblick zu behalten, setzen viele von uns auf Multitasking, in der Hoffnung, durch das gleichzeitige Erledigen mehrerer Aufgaben alles unter Kontrolle zu halten. Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Multitasking wirklich dazu führt, dass wir mehr schaffen? Oder überfordert es uns am Ende vielleicht nur noch mehr und wirkt sich sogar negativ auf unsere Produktivität aus?

Foto: Mizuno K, Pexels
Multitasking wird von vielen Menschen regelrecht glorifiziert. Multitasking gilt als Zeichen von Effizienz und wird oft als eine Fähigkeit betrachtet, die es zu meistern gilt. Wir alle kennen Geschichten von Leuten, die scheinbar mühelos E-Mails beantworten, an Meetings teilnehmen und nebenbei auch noch den Haushalt managen – und das alles gleichzeitig. Doch ist Multitasking wirklich so effektiv, wie wir glauben? Oder könnte es vielleicht der Grund dafür sein, dass wir uns so oft gestresst und unproduktiv fühlen?
Die Illusion des Multitaskings
Auf den ersten Blick erscheint Multitasking wie eine Superkraft – die Fähigkeit, mehr in derselben Zeit zu schaffen. Wer würde das nicht wollen? Wenn wir während des Meetings E-Mails schreiben, beim Kochen den Kindern mit den Hausaufgaben helfen oder durchs Handy scrollen, während der Fernseher läuft, dann müsste es doch möglich sein, mehr in derselben Zeit zu erledigen, oder?
Es stimmt zwar, dass sich einige Aufgaben relativ mühelos miteinander kombinieren lassen – wie Musik hören beim Sport oder ein Gespräch führen, während wir die Wäsche zusammenlegen – doch tatsächlich erfordern die meisten der Aufgaben, die wir gleichzeitig erledigen wollen, weit mehr Aufmerksamkeit und geistige Energie, als wir denken.
Die Realität: Multitasking funktioniert nicht
Bestimmt kennen Sie das, wenn Ihr Gegenüber beim Telefonieren plötzlich unaufmerksam erscheint und Sie anhand der Geräusche erahnen können, dass Ihr*e Gesprächspartner*in gerade eine E-Mail liest oder eine SMS beantwortet. Und wahrscheinlich haben Sie sich auch schon mal selbst bei etwas Ähnlichem ertappt. Wir haben zwar zunächst den Eindruck, dass wir problemlos beides tun können, und doch verlieren wir irgendwann den Faden des Gesprächs. Das Gespräch gerät ins Stocken, die Antworten verzögern sich, und der natürliche Redefluss ist unterbrochen.
Wie oft werden Sie beim Arbeiten durch eine E-Mail-Benachrichtigung oder einen Anruf unterbrochen? Auch wenn es nur ein kurzer Blick auf den kleinen Pop-up oben in der Ecke ist, hat Ihr Gehirn bereits umgeschaltet. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Sie danach immer etwas länger benötigen, um sich wieder auf die Ursprungsaufgabe zu konzentrieren? Studien zeigen, dass es bis zu 25 Minuten dauern kann, bis man nach einer Unterbrechung wieder vollständig in die ursprüngliche Aufgabe eintauchen kann. Während wir also glauben, durch Multitasking mehr zu schaffen, verlieren wir tatsächlich Zeit und Fokus.
Multitasking reduziert nicht nur unsere Effizienz, sondern auch die Qualität unserer Arbeit. Das Jonglieren mehrerer Aufgaben führt zu mehr Fehlern, geringerer Kreativität und insgesamt langsamerem Fortschritt. Tatsächlich haben zahlreiche Studien gezeigt, dass es das Multitasking eigentlich gar nicht gibt. Wir erledigen Aufgaben nicht gleichzeitig, sondern nacheinander und wechseln ggf. sehr oft zwischen den einzelnen Aufgaben hin und her. Dies führt zu erhöhtem Stress und zu schlechteren Leistungen. Es spricht also aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich alles gegen das Multitasking.
Die Lösung: Bewusste Konzentration
Wie also entkommen wir der Multitasking-Falle? Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, wie oft wir multitasken und welchen Einfluss das auf unsere Konzentration und Produktivität hat. Sobald wir beginnen, darauf zu achten, wann wir mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, wird schnell klar, wie sehr das unsere Stresslevel, die Qualität unserer Arbeit und unser Wohlbefinden beeinträchtigt.
Eine Möglichkeit, dem Drang zum Multitasking zu widerstehen, ist, sich gezielt auf eine Aufgabe nach der anderen zu konzentrieren. Das bedeutet, jeder Aufgabe unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen, statt unsere Energie auf verschiedene Dinge gleichzeitig zu verteilen. Wenn wir uns wirklich fokussieren, können wir tiefer in die Aufgabe eintauchen, effizienter arbeiten und bessere Ergebnisse erzielen. Natürlich werden Ablenkungen immer Teil des Alltags bleiben – sei es ein Anruf, ein Kollege, der vorbeikommt, oder eine Benachrichtigung auf dem Bildschirm. Doch wenn wir uns bewusst bemühen, diese Unterbrechungen zu minimieren und uns ganz auf eine Aufgabe einzulassen, können wir unseren Fokus und unsere Produktivität deutlich steigern.
Eine einfache Strategie ist es, während wichtiger Arbeiten die Benachrichtigungen auf Handy und Computer auszuschalten und feste Zeiten einzuplanen, um E-Mails oder Nachrichten zu prüfen. Priorisieren Sie Ihre Aufgaben, indem Sie To-do-Listen erstellen und diese konsequent nacheinander abarbeiten, basierend auf ihrer Dringlichkeit und Bedeutung.
Vergessen Sie nicht, regelmäßige Pausen einzulegen. Ihr Gehirn braucht Erholungsphasen, um geistige Erschöpfung zu vermeiden und die Konzentration bei der Rückkehr zur Arbeit wieder zu steigern. Mit der Zeit wird Ihnen dieser Ansatz helfen, spürbare Fortschritte zu machen und ein stärkeres Gefühl von Balance und Zufriedenheit im Alltag zu finden.
In einer Welt, die ständig nach unserer Aufmerksamkeit verlangt, ist es leicht, in die Multitasking-Falle zu tappen. Doch indem wir jede Aufgabe mit Achtsamkeit und Klarheit angehen, anstatt alles gleichzeitig zu erledigen, Ablenkungen bewusst minimieren, unsere Aufgaben priorisieren und uns die nötige Ruhe gönnen, können wir unsere Zeit und Energie zurückgewinnen.
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