…oder die Geschichte vom beharrlichen Holzfäller…

holzfäller pause

Wie waren die letzten Wochen des Jahres für Sie? Fühlen Sie sich entspannt und ausgeruht? Oder gehören Sie eher zu den Menschen, die gerade am Jahresende immer stärker unter Druck geraten? Vielleicht gehören Sie auch zu denen, die im Job tapfer durchhalten und dann am ersten Urlaubstag krank werden?

Wenn Sie zur zweiten Gruppe gehören, dann sind Sie nicht allein! Das Jahresende stellt für viele Menschen eine besonders anstrengende Zeit dar. Das Wetter wird schlechter, die Tage kürzer. In der Adventszeit jagt ein Termin den anderen, im Job müssen noch jede Menge Dinge ganz dringend erledigt werden und die Feiertage sind auch nicht immer nur besinnlich und entspannt… Umso wichtiger ist es, dass Sie sich (möglichst rechtzeitig) eine Pause gönnen!

Die dazu passende heutige Geschichte stammt aus dem Buch Komm, ich erzähl dir eine Geschichte von dem argentinischen Psychiater und Gestalttherapeuten Jorge Bucay. Der Therapeut (der Dicke) erzählt diese Geschichte seinem Patienten (Demian), als dieser von abnehmenden Leistungen und Motivation gegen Jahresende berichtet und gleichzeitig fest davon überzeugt ist, dass er sich gerade jetzt keine Pause gönnen könne. Die paar Wochen bis zum Jahresende / Urlaub werde er schon noch durchstehen…

 

Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen.

Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies.

Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit.

An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume.

„Herzlichen Glückwunsch“, sagte der Vorarbeiter. „Weiter so.“

Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller, am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald.

Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen.

‚Ich muss müde sein“, dachte er. Und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen.

Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte.

Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf, seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen.

In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zum Umfallen.

Der Vorarbeiter fragte ihn: „Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?“

„Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.“

 

Wenn Sie sich also für das neue Jahr etwas vornehmen möchten, wie wäre es mit einer regelmäßigen Pause? Mit einer Pause um Ihr „Werkzeug“ zu schärfen? Ansonsten könnte es auch Ihnen schon bald (wieder) so gehen wie dem Holzfäller in der Geschichte…

 

[Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte. Aus dem Spanischen übersetzt von Stephanie von Harrach. Fischer Taschenbuch. 352 S., ISBN: 978-3-596-51038-2]

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