Sowohl in meiner Arbeit mit Klient*innen als auch hier kürzlich auf meinem Blog wurde die Übung Hände und Gedanken als sehr hilfreich erlebt. Man kann anhand dieser kleinen Übung sehr schön verdeutlichen, wie sehr unsere Gedanken und Gefühle uns im Alltag beeinträchtigen können, wenn wir an ihnen festkleben und gar nichts anderes mehr sehen können. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie wir uns von negativen Gedanken lösen können. Was können wir tun, wenn das Kopfkino aus dem Ruder gerät und die Gedankenspirale wieder auf Hochtouren läuft?

 

Wie wir uns von negativen Gedanken lösen können

Foto: Rebe Pascual, Unsplash

 

Wie wir uns von negativen Gedanken lösen können…

 

Der erste Schritt ist, dass wir uns dessen bewusst werden müssen, dass wir gerade wieder in einer Schlaufe drin hängen. D.h. wir müssen uns selbst beobachten und bemerken, dass die belastenden Gedanken gerade wieder da sind.

 

 

Gedanken benennen

 

In einem ersten Schritt kann man versuchen, die Gedanken zu benennen, also so etwas wie „ich glaube ich bin mit der Situation nicht gut umgegangen“. Allein durch das Beobachten und Benennen der Gedanken, schaffen wir ganz automatisch ein kleines Stück Distanz zwischen uns und den Gedanken. Wir denken nicht mehr nur, sondern wir beobachten auch noch, dass wir denken. Um in dem eben genannten Beispiel noch einen Schritt weiter zu gehen, könnten wir sogar sagen „ich merke, dass ich denke, dass ich mit der Situation nicht gut umgegangen bin”.

Klingt umständlich? Probieren Sie es aus, es ist immer wieder beeindruckend, wie sehr selbst eine so kleine Maßnahme dabei helfen kann, sich von belastenden Gedanken ein Stückchen zu distanzieren. Sinn und Zweck der Übung ist nicht, dass wir die Gedanken loswerden. Sie werden auch nicht einfach dadurch verschwinden, dass wir sie benennen. Aber das kleine Stückchen Distanz, das wir dadurch schaffen, der Raum, der sich dadurch in uns öffnet, den können wir nutzen, um uns auf das zu konzentrieren, was wir gerade eigentlich tun möchten, was uns wirklich wichtig ist.

 

Sich für die Gedanken bedanken

 

Eine weitere Methode, wie man sich von negativen Gedanken lösen kann, ist, sich bei seinem Kopf, der inneren Stimme, für die Gedanken zu bedanken. Diese Methode mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen, aber sie funktioniert wirklich! Dr. Russ Harris, Autor des Buches „Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“ stellt diese Methode sehr anschaulich in diesem (englischen) Video vor.

 

 

Gedanken sind auch nur Wörter, Buchstaben

 

Meist erleben wir Gedanken als Handlungsanweisung. Wir denken etwas und meinen dann sofort handeln zu müssen. Sei es, um einem Impuls zu folgen, etwas umzusetzen oder um den Gedanken so schnell wie möglich loszuwerden. Wie wäre es, wenn Sie sich statt dessen in solchen Momenten verdeutlichen, dass das, was Sie da gerade denken, was da gerade in Ihrem Kopf so laut auf Sie einspricht, dass das am Ende auch nur Wörter und Buchstaben sind?

 

Gedanken, Gefühle, Bilder oder Impulse?

 

Manchmal kann es auch helfen genauer zu prüfen, ob das, was da gerade in uns los ist, eigentlich überhaupt ein Gedanke ist (also „gesprochene Wörter“) oder ein Gefühl (Angst, Unsicherheit, Wut, etc.), oder vielleicht ein Bild (eine bildhafte Erinnerung oder Zukunftsvision z.B.) oder ob es sich gar um einen Impuls handelt? Genauer zu verstehen, was es eigentlich genau ist, kann dabei helfen, sich einerseits davon ein Stückchen zu lösen und andererseits zu erkennen, dass wir gar nicht unbedingt dem Impuls folgen müssen und das ein Bild an sich gar nicht so gefährlich und bedrohlich ist, wie es sich zunächst anfühlen mag.

 

Wir alle haben solche Gedanken!

 

Denn ja, alle Menschen haben solche Gedanken. Wir alle fühlen uns „nicht gut genug“, nicht liebenswert genug, dumm oder hässlich. Meine Klient*innen sind oft überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass es vielen Menschen so geht, aber die Wahrheit ist wahrscheinlich eher, dass es so ziemlich allen Menschen so geht. Was die einen von den anderen Menschen unterscheidet ist vielmehr, wie wir mit diesen Gedanken umgehen und wir sehr sie unser Leben einschränken. Statt also zu versuchen die Gedanken auf Teufel komm raus loszuwerden (was unglaublich anstrengend und energieraubend und nur sehr selten von Erfolg gekrönt ist), sollten wir eher lernen, das innere „Radio“, die innere Stimme etwas leiser zu stellen, um uns wieder auf das zu konzentrieren, was wir eigentlich gerade tun wollten.

 

 

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Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie sich von negativen Gedanken lösen können, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre des Buchs „Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“ von Dr. Russ Harris. Oder vielleicht wäre auch ein persönliches Gespräch mit einer Psychologin eine gute Idee?

 

 

Von negativen Gedanken lösen

Foto: Priscilla Du Preez, Unsplash

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