Wer dem Glück hinterherrennt

 

Nein! Dies ist kein weiterer Ratgeber zum Thema Glück. Ganz im Gegenteil. Warum es sich trotzdem (oder besser: gerade deswegen) lohnt es zu lesen?

Das Buch Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei von Dr. Russ Harris trägt im Untertitel den Namen “Ein Umdenkbuch” und das ist es auch wirklich. Dieses Buch wird vieles in Frage stellen, was Sie bisher in Ihrem Leben getan und gedacht haben, auf der Suche nach dem Glück. Es wird Ihnen aber auch ganz neue Perspektiven und Alternativen eröffnen, um Ihnen zu helfen, ein erfülltes und, ja, auch glückliches Leben zu führen.

 

„Mit dem Glück ist das so eine Sache. Die Ironie liegt darin, dass Menschen Glück nicht nur suchen, sondern dass sie es festhalten wollen – besonders, um jegliche Art von „Unglücklichsein“ zu vermeiden. Leider erweisen sich genau diese Kontrollmechanismen oft als rigide und erdrückend.“

(aus dem Vorwort von Steven C. Hayes, einem der Begründer der Akzeptanz Commitment Therapie, ACT)

 

Aber was bedeutet Glücklichsein eigentlich?

 

Steven C. Hayes meint dazu weiter:

„Glücklichsein bedeutet nicht „sich gut fühlen“.

Wenn dem so wäre, wären Drogensüchtige die glücklichsten Menschen auf der dem Planeten.“

 

Wie sehen Sie das? Was bedeutet Glück und Glücklichsein? Welche Bedeutung haben diese Wörter in Ihrem Leben ganz konkret?

 

Eine andere, damit verwandte Frage ist die Frage, mit der Dr. Russ Harris sein Buch beginnt. Ist Glück denn überhaupt normal? Wir leben in einer Gesellschaft, der es in vielerlei Hinsicht sehr viel besser geht als den vorhergehenden Generationen. Der Lebensstandard, insbesondere in der westlichen Welt, ist höher als je zuvor. Gleichzeitig sind die Zahlen von psychischen Störungen alarmierend hoch. Etwa 30% der Bevölkerung leidet an einer psychischen Störung, etwa jeder zweite ist irgendwann in seinem Leben an einem Punkt, an dem er Suizid ernsthaft in Betracht zieht. Also nein, Glücklichsein ist eindeutig nicht der „Normalzustand“ in unserer Gesellschaft.

 

Aber zurück zu der Frage, was Glück eigentlich ist. Russ Harris meint dazu Folgendes:

 

„Das Wort Glück hat zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen. Die allgemein verbreitete Bedeutung des Wortes ist „sich gut fühlen“ – mit anderen Worten, ein Gefühl der Lust, Freude oder Befriedigung zu empfinden. Wir alle genießen diese Gefühle, und daher ist es auch kein Wunder, dass wir ihnen nachjagen. Doch wie alle menschlichen Gefühle dauern die Gefühle des Glücks nicht an. Wie sehr wir auch versuchen, sie festzuhalten, sie entgleiten uns jedes Mal. Und wie wir sehen werden, ist ein Leben, das wir auf der Jagd nach diesen guten Gefühlen verbringen, auf lange Sicht zutiefst unbefriedigend. Je mehr wir diesen lustvollen Gefühlen nachjagen, desto mehr neigen wir in der Tat dazu, an Angst und Depression zu leiden.
Die andere, weniger verbreitete Bedeutung von Glück ist, „ein reiches, erfülltes und sinnvolles Leben zu führen“. Wenn wir uns um die Dinge kümmern, die uns wirklich am Herzen liegen, nach den Dingen streben, die uns wertvoll und der Mühe wert erscheinen, uns darüber klar werden, was wir wirklich im Leben wollen, und entsprechend handeln, dann wird unser Leben reich, erfüllt und sinnvoll, und wir erfahren ein machtvolles Gefühl von Vitalität. Das ist nicht nur ein flüchtiges Gefühl – es ist eine tiefe Erfahrung eines authentisch gelebten Lebens.“

 

Zu einem solchen erfüllten Leben gehören aber natürlich nicht nur positive Gefühle, ganz im Gegenteil, es gehört die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle dazu. Es gehört dazu, zum Leben, dass wir trauern, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dass wir wütend werden, wenn uns Unrecht widerfährt, dass wir uns Sorgen machen und auch mal Angst erleben.

 

Ziel sollte es also nicht sein, negative Gefühle um jeden Preis zu vermeiden oder zu verhindern – ein unmögliches Unterfangen und eines, das ganz schnell zu noch mehr negativen Gefühlen führen kann – sondern, dass wir lernen, anders mit ihnen umzugehen. Wir können lernen, negative Gefühle zuzulassen und gleichzeitig ihren Einfluss auf unser Leben zu vermindern. Wir können lernen, ein reiches und erfülltes Leben aktiv zu gestalten.

 

Wer dem Glück hinterherrennt…

 

Das Buch ist in 3 Teile untergliedert. Im ersten Teil geht es darum die Glücksfalle besser zu verstehen und zu erkennen, wann und wie wir in sie hineintappen. Im zweiten Teil geht es darum, dass wir lernen können (und sollten) negative Gefühle nicht zu vermeiden, sondern diesen Raum geben können und sie dadurch ganz anders und neu kennenlernen können (als Nebeneffekt werden die negativen Gefühle dadurch tatsächlich meist auch deutlich geringer, vor allem aber verlieren sie an Macht über uns und unser Leben). Im letzten Teil geht es darum, was wir tun können, um eine reiches und erfülltes Leben zu leben. Im Fokus stehen hierbei unsere Werte und die Gestaltung unseres Lebens anhand dieser Werte.

 

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses Buch!

 

Bevor Sie das Buch aber nun in die Hand nehmen, möchte ich Sie auch noch warnen: dies ist kein Ratgeber und kein Buch, das man einfach mal so schnell lesen kann. Das Buch mag zwar kurz erscheinen und ist auch leicht zu lesen, aber es beinhaltet unglaublich viel Wissen und noch mehr Übungen. Nehmen Sie sich Zeit, um das Buch in Ruhe zu lesen und zu erarbeiten, alles andere macht wenig Sinn.

 

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Wenn Sie noch mehr über die ACT Therapie erfahren möchten, dann habe ich hier zwei Übungen für Sie, die Sie vielleicht interessieren könnten:

Übung zu Lebensbereichen
Hände und Gedanken Übung

 

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