„Ich weiß nicht, wie du das machst. Ich bin gerade zwei Monate lang gereist und habe dabei gearbeitet. Ich bin so erschöpft„, sagte meine Freundin Vivian auf der #FIGT2019 Konferenz, auf der wir gemeinsam einen Vortrag über Online-Beratung für weltweit mobile Menschen gehalten haben. Vivian ist nicht die Erste, die mich fragt, wie ich das mache, und ich bin sicher, dass sie auch nicht die Letzte sein wird. Während viele Menschen mich um die Freiheit meines digitalen Nomadinnenlebens zu beneiden scheinen, scheint die Art und Weise, wie ich reise, auch viele Fragen aufzuwerfen…Also, wie mache ich das? Wie kann ich so viel reisen, alle paar Wochen die Stadt oder das Land wechseln und gleichzeitig als Therapeutin online arbeiten?

 

 

Wie man ein Burnout als digitaler Nomade vermeidet

 

Wie vermeide ich als digitale Nomadin Burnout?

 

Nun, ich mache es nicht wie Vivian und die meisten anderen Leute, die diesen Lebensstil für ein paar Wochen im Jahr ausprobieren. Ich reise nicht wie eine Touristin, ich versuche nicht, alles zu sehen, was es zu sehen gibt. Gedanken wie „Ich komme vielleicht nie wieder zurück, ich muss XYZ sehen“ versuche ich zu vermeiden. 

Wenn ich einen Monat an einem Ort verbringe und es schaffe, zweimal in die Altstadt zu gehen oder vielleicht an einer Stadtführung teilzunehmen und ein Museum zu besuchen, während ich dort bin, dann ist das ein guter Monat für mich. Der Großteil meiner Reisen bestehen darin, lokale Speisen zu essen, durch meine Nachbarschaft zu spazieren und in Cafés zu sitzen, Blog-Posts wie diesen hier zu schreiben und die Einheimischen zu beobachten. Es hilft auch, dass ich zwischen Orten, an denen ich bereits war, und neuen Orten, die ich entdecken möchte, wechsle. Ich passe meinen Arbeitsaufwand den aktuellen Umständen an. So ist es mir möglich, ein paar Wochen lang jeweils nur 15-20 Stunden pro Woche zu arbeiten, wenn ich zuvor ausreichend vorbereitet habe, und dies dann aufzuholen, indem ich einen Monat lang an einem Ort arbeite. 

Wenn ich also Besuch von meiner Familie oder von Freund*innen bekomme, wenn ich sie besuche oder wenn ich nur für eine Woche an einem neuen Ort bin, arbeite ich definitiv nicht 40 Stunden oder mehr. In dem Fall lege ich die meisten meiner Beratungsgespräche auf 2-3 Tage in der Woche und verbringe vielleicht ein oder zwei Stunden am Morgen mit meinen E-Mails und anderen dringenden Angelegenheiten. Doch wenn mir danach ist, nehme ich mir danach den Rest des Tages frei und gehe raus, um die neue Umgebung zu erkunden.

So mache ich das.

Aber was können (und sollten) Sie tun, um einen Burnout zu vermeiden?

 

1. Lernen Sie sich selbst kennen

Sind Sie ein Strand- oder Stadtmensch? Brauchen Sie eine vertraute Umgebung, um Ihre Routinen und gesunden Gewohnheiten aufrechtzuerhalten und produktiv zu sein, oder können Sie sich leicht an neue Umgebungen und Klimazonen anpassen? Warum wollen Sie diesen Lebensstil leben? Möchten Sie so viel wie möglich erkunden oder einen Ort wirklich kennenlernen? Wollen Sie Einheimische treffen, neue Sprachen lernen und abseits der ausgetretenen Pfade laufen oder sind Sie glücklich in der einen oder anderen Megacity, gehen ins Kino und vielleicht in ein oder zwei Museen? 

Nur weil die meisten digitalen Nomad*innen auf Instagram so wirken, als würden sie ihre ganze Zeit in Chiang Mai oder Bali verbringen, bedeutet das nicht, dass diese Orte auch für Sie geeignet sind. Ich habe vor kurzem 2 Monate in Japan verbracht und es gefiel mir sehr, wie modern, organisiert und sauber alles war, während ich außerdem auch ein paar etwas traditionellere Aspekte einer Kultur kennenlernte, die sich sehr von jenen, in denen ich aufgewachsen bin, unterscheidet. Und ich liebe japanisches Essen, also ein Win-Win, richtig? Der Punkt ist, dass Sie sich ein Leben erschaffen müssen, welches Ihren Bedürfnissen gerecht wird, nicht meinen. Wenn Sie also jemand sind, der mehr Zeit für die Umstellung und Eingewöhnung benötigt, warum tun Sie dann nicht genau das? 

Wir haben uns schließlich für diesen Lebensstil entschieden, weil er uns die Freiheit gibt, so zu leben, wie wir es wollen, und nicht so, wie einige Influencer*innen auf Instagram denken, dass man leben sollte.

 

2. Budget und Finanzen

Es ist ein Mythos, dass das digitale Nomad*innenleben günstiger ist, als das Leben in Ihrer (westlichen) Heimat. Natürlich ist es möglich, von der Hand in den Mund zu leben, aber wollen Sie wirklich in Hostels schlafen und an den billigsten Orten übernachten? Ich habe viel zu viele digitale Nomad*innen getroffen, die in Chiang Mai festsitzen, weil es so einfach, bequem und ja, billig ist. Aber ist das wirklich das, was Sie wollen? Wenn ja, dann machen Sie es! Aber denken Sie daran, dass Sie auch wenn Sie ortsunabhängig leben für die Zukunft planen, Geld sparen, sich um Ihre Arztrechnungen kümmern und Steuern zahlen müssen. Zumindest, wenn Sie wollen, dass dies ein langfristig nachhaltiger Lebensstil ist.

Als Online-Therapeutin brauche ich meinen eigenen privaten Raum, um zu arbeiten, und als menschliches Wesen Mitte bis Ende 30 bin ich weit über das regelmäßige Schlafen in Schlafsälen oder auf der Couch meiner Freund*innen hinaus. Ich will mein eigenes Bett, eine Küche und ich brauche ein zweites Zimmer in meinem Airbnb, weil ich meinen Partner nicht jedes Mal, wenn ich eine Gespräch mit Klient*innen führe, aus dem Haus schicken oder ihn in der Badewanne sitzen lassen will. So sehr ich budgetfreundliche Länder wie Vietnam und Malaysia liebe, so sehr möchte ich auch Zeit in Paris, Wellington oder, ja, Japan verbringen können. Ich möchte auswärts essen gehen und all die tollen Speisen ausprobieren, und nicht die ganze Zeit auf der Suche nach der billigsten Option verbringen.

Finanzplanung und Budgetierung sind eine der besten Möglichkeiten, um ständige Angst und Stress zu vermeiden, insbesondere als digitale Nomad*in. Stellen Sie sicher, dass Sie auf Ihrem Bankkonto genug Geld für einen Notfallflug nach Hause und für eine Nacht in einem schicken Hotel haben, für den Fall, dass sich Ihre Unterkunft als ein Ort wie aus einem Horrorfilm entpuppt.

 

3. Unterstützung und Freund*innen

Wir alle brauchen Freund*innen, Kolleg*innen und ein Unterstützungssystem. Wir müssen uns verbunden fühlen, insbesondere wenn sich alles um uns herum ständig verändert und wir in einem permanenten Übergangszustand leben.

Für digitale Nomad*innen kann es schwierig sein, Freundschaften mit Freund*innen zu Hause zu pflegen, aber für die meisten von uns ist es ein wichtiger Teil der geistigen Gesundheit. Nehmen Sie sich daher regelmäßig Zeit, um mit Ihren Freund*innen und Ihrer Familie zu skypen, zu chatten oder anzurufen. Organisieren Sie ein Online-Kaffee- oder Weintreffen (oder vielleicht beides zur gleichen Zeit, da Sie wahrscheinlich in sehr unterschiedlichen Zeitzonen sein werden), schauen Sie sich Filme an oder spielen Sie gemeinsam Spiele online. Oder nehmen Sie einfach den Hörer und rufen Sie jemanden an. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, dass sie Ihren Lebensstil nicht wirklich verstehen, finden Sie Gemeinsamkeiten und besuchen Sie sie, wann immer Sie können. Neben der Kontaktpflege zu alten Freund*innen, gehen Sie zu Meetups und Veranstaltungen, wo immer Sie sind. Aber vielleicht noch wichtiger, finden Sie Online-Freund*innen und Communities, die mit Ihnen reisen werden, wohin Sie auch gehen. Es gibt viele großartige Online-Communities für digitale Nomad*innen. Zwei meiner Favoriten werden von Freund*innen von mir betrieben, die Digital Nomads Girls Community und die 7in7 Society

 

4. Erschaffen Sie gesunde, ortsunabhängige Routinen

Schlafen Sie ausreichend, essen Sie gut und treiben Sie Sport. Ziemlich grundlegender Ratschlag, aber so wichtig und ach so leicht zu vergessen, besonders wo es da draußen so viele tolle Dinge gibt, die jeden Tag um Ihre Aufmerksamkeit buhlen.

Nur weil Sie arbeiten können, wann immer Sie wollen und (hoffentlich) lieben, was Sie tun, bedeutet das nicht, dass Sie jeden Tag den ganzen Tag arbeiten, jederzeit verfügbar und vernetzt sein sollten. Nur weil Ihre Freund*innen zum Strand gehen wollen oder jeder Reiseführer Ihnen sagt, dass der Sonnenaufgang auf diesem einen Berg nicht verpasst werden darf, bedeutet das nicht, dass Sie nicht einfach im Bett bleiben und ausschlafen können, wenn Sie dies vorziehen. Respektieren Sie Ihren eigenen Biorhythmus und sorgen Sie dafür, dass Sie den Schlaf bekommen, den Sie brauchen – übrigens ein weiterer guter Grund für ein eigenes Zimmer und ein bequemes Bett.

Finden Sie eine Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen, die Sie überall ausüben können. Gehen Sie laufen oder machen Sie Yoga, besorgen Sie sich eine Wohnung mit einem Fitnessstudio im gleichen Gebäude oder schließen Sie sich für ein paar Wochen einem Studio in der Nachbarschaft an. Gehen Sie einfach und tun Sie etwas, hören Sie auf Ihren Körper und behandeln Sie ihn gut. Sie werden ihn noch viele Jahre brauchen.

Je mehr Sie reisen, desto mehr müssen Sie Wege finden, um ein Gefühl von Heimat in sich selbst zu schaffen. Schaffen Sie sich kleine Tagesabläufe, von der Art und Weise, wie Sie aufstehen, über die Art und Weise, wie Sie ins Bett gehen, bis hin zu dem, wie und wo Sie arbeiten. Wenn ich ein Café finde, das mir gefällt, werde ich normalerweise zu diesem zurückgehen, anstatt jeden Tag ein neues zu suchen. Sogar die Art und Weise, wie ich jeden Tag anfange zu arbeiten, die Programme, die ich öffne, die Menschen, an die ich mich wende. All diese kleinen Routinen können Ihnen helfen, ein Gefühl von Stabilität aufzubauen, egal wo Sie sind.

 

5. Wenden Sie sich an jemanden und holen Sie sich Hilfe

Wenn Sie sich abstrampeln und das Gefühl haben, dass all die kleinen Dinge zur Selbstfürsorge, die Sie versuchen zu tun, einfach nicht mehr helfen, könnte es an der Zeit sein, professionelle Hilfe in Betracht zu ziehen. Burnout ist ein ernsthaftes Risiko für die meisten Selbständigen und Unternehmer*innen, die ein eigenes Business gründen, und digitale Nomad*innen sind da keine Ausnahme. Es gibt viele Orte, an denen Sie eine*n Therapeut*in online finden können. Sie können zum Beispiel das Verzeichnis der Location Independet Therapists einsehen und nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten suchen, die oder der online in Ihrer Sprache und aus Ihrem eigenen kulturellen Hintergrund arbeitet. Ich empfehle dringend, eine*n Therapeut*in zu finden, die oder der Ihren Lebensstil versteht und woher Sie kommen. Ich selbst arbeite mit vielen weltweit mobilen Klient*innen zusammen und weiß, dass das Verlassen dieses Lebensstils nicht die einzige Lösung für Ihre Probleme ist (ein Ratschlag, den einige meiner Klient*innen erhalten haben, als sie sich an Freund*innen oder Therapeut*innen gewandt haben).

 

 

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Wie man ein Burnout als digitale*r Nomad*in vermeidet

 

 

 

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