Im vergangenen Jahr habe ich etwas über mich gelernt: Trotz meiner Leidenschaft für das Reisen und Erkunden neuer Länder, konzentriere ich mich in den ersten Tagen nach meiner Ankunft an einem neuen Ort am aller liebsten auf meine Arbeit. Falls Sie mir schon etwas länger folgen, mag diese Erkenntnis Sie überraschen, vor allem, da ich stets betone, wie wichtig mir eine gute Work-Life-Balance ist. In meinen 9 Jahren als digitale Nomadin und Online Therapeutin habe ich viel über mich gelernt und meine Art zu reisen ständig weiterentwickelt und diese Erkenntnis ist nur eine von vielen, die ich über die Zeit gewonnen habe. Da es schon eine Weile her ist, seit ich Ihnen einen Einblick in mein Leben als Nomadin gewährt habe, möchte ich in diesem Blogbeitrag einige Erkenntnisse darüber teilen, wie sich das Reisen im Laufe der Zeit verändern kann und warum es so wichtig ist, seinen eigenen Weg zu finden.

 

Einer der Vorteile des Lebens als digitale Nomadin und online Therapeutin - Frühstück mit spektakulärer Aussicht über die Berge von meiner Terrasse in Sri Lanka

Frühstück mit Ausblick

 

 

Je mehr man reist…

 

Ich habe das Jahr 2024 mit einem dreiwöchigen Besuch in Sri Lanka begonnen, meiner ersten Reise in ein neues Land seit 2022. Obwohl mir einige Leute geraten hatten, keine Zeit in der Hauptstadt des Landes, Colombo, zu verbringen, entschied ich mich dafür, für die ersten fünf Tage meines Aufenthalts genau dort eine Wohnung zu mieten. 

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich schätze Empfehlungen von Menschen, die einen Ort bereits besucht haben, sehr und nutze diese Tipps häufig, um mich auf Aufenthalte in neuen Städten vorzubereiten. Jedoch ist es auch wichtig, sich selbst zu kennen und auf sein Bauchgefühl zu hören. Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Sie sich mit zunehmendem Alter immer besser kennenlernen? Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Reisen. Denn je mehr man reist, desto besser versteht man, welche Art zu reisen die richtige für einen ist.

Das Reisen zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Zeitzonen, Klimazonen und oft sogar Jahreszeiten kann manchmal etwas anstrengend sein. Ein zusätzlicher Jetlag hilft da natürlich auch nicht. Daher benötige ich oft einige Zeit, um mich in einer neuen Umgebung richtig einzuleben. 

Im vergangenen Jahr habe ich innerhalb von nur sechs Monaten neun Länder besucht. Deshalb entschied ich mich, eine Idee umzusetzen, über die ich bereits seit einiger Zeit nachgedacht hatte. Um mögliche Kulturschocks und Überforderung zu minimieren, plante ich, während der ersten Tage in jedem Land nicht zu arbeiten, sondern Urlaub zu machen. Ich hoffte, dass dies den Übergang in jede neue Umgebung erleichtern würde. Aber ich hatte mich geirrt. Im Gegensatz zu meinen Erwartungen merkte ich bald, dass dieser Ansatz es mir erschwerte, mich einzuleben. Ich stellte fest, dass es mir tatsächlich hilft, meine ersten Tage an einem neuen Ort mit ein paar Stunden Arbeit zu strukturieren (mehr oder weniger, je nachdem, wie lang und anstrengend der Flug war). Meine Arbeitsroutinen und Aufgaben bleiben immer gleich, egal wo auf der Welt ich meinen Laptop öffne und diese Routine hilft mir, wenn alles andere fremd und neu ist.

Das – und die Tatsache, dass die Internetverbindung im restlichen Land eher unzuverlässig ist – ist der Grund, warum ich meine ersten Tage in Sri Lanka in Colombo verbrachte. Es ermöglichte es mir, mich an die tropische Hitze zu gewöhnen (nachdem ich aus dem Winter in Europa gekommen war), mich von dem langen Flug und meinem Jetlag zu erholen und Zeit zu haben, die kulturellen Feinheiten zu verstehen und mich an die besonderen Eigenheiten meiner neuen Umgebung zu gewöhnen. Wussten Sie zum Beispiel, dass Sri Lanka eines der wenigen Länder der Welt ist, das einen Zeitunterschied von einer halben Stunde hat?

 

Eine Eisbahn in einem sri-lankischen Einkaufszentrum

Ein unerwarteter Fund in einem sri-lankischen Einkaufszentrum

 

Natürlich habe ich mich nicht nur in meiner Wohnung eingeschlossen, sondern unternahm auch einige kurze Ausflüge rund um Colombo. Dies gab mir die Gelegenheit, erste Eindrücke zu sammeln und mich in meiner neuen Umgebung zurechtzufinden. Dabei stieß ich auf einige unerwartete Entdeckungen, wie zum Beispiel den Zufallsfund einer Schlittschuhbahn in einem nahegelegenen Einkaufszentrum während einer Mittagspause. Auch wenn Colombo vielleicht nicht für seine Sehenswürdigkeiten bekannt ist, genoss ich meine Zeit in der Stadt und nach ein paar Tagen fühlte ich mich bereit, tiefer ins Landesinnere zu reisen.

 

 

Was für andere richtig ist, passt nicht unbedingt zu mir

 

In Sri Lanka gibt es eine berühmte Zugstrecke, die für die Bilder bekannt ist, die Reisende machen, während sie sich aus dem fahrenden Zug lehnen. Ich habe die Fahrt so genossen, dass ich die Strecke sogar in beide Richtungen gefahren bin. Und auch ich habe mich aus der offenen Abteiltür gelehnt – schließlich kann man das nicht jeden Tag – es war aber nicht der Hauptgrund meiner Reise mit diesem Zug. Ich liebe es, per Zug zu reisen und bin im Laufe der Jahre viele wunderschöne Strecken gefahren, zum Beispiel letztes Jahr mit drei Panoramazügen durch Neuseeland. Während viele andere Reisende aber darauf bedacht waren, das perfekte GoPro-Video oder Instagram-Foto zu machen, lag mein Fokus ganz darauf, die Fahrt zu genießen und die atemberaubende Aussicht auf mich wirken zu lassen.

Es besteht die Möglichkeit, entlang dieser Zugstrecke mehrere Zwischenstopps einzulegen, und mein Endziel war auch für seine Wanderwege bekannt. Dennoch entschied ich mich, keine dieser Wanderungen zu machen. Ich ließ mich stattdessen von meinen Gastgebern mit einem Tuk Tuk vom Bahnhof abholen und verbrachte den ganzen nächsten Tag in meiner Unterkunft – einem Apartment mit einer wunderschönen Terrasse mit Blick auf die Berge. Alle Mahlzeiten nahm ich in meiner Unterkunft ein und verbrachte meine Zeit damit, zwei Bücher auf meiner Terrasse zu lesen und die spektakuläre Landschaft zu genießen. Über die Jahre als digitale Nomadin habe ich für mich gelernt, dass typische Sehenswürdigkeiten nicht immer mit meinen persönlichen Interessen übereinstimmen. Was für die einen vielleicht langweilig klingen mag, ist manchmal genau richtig für mich. Das verdeutlicht, dass es beim Reisen keinen einheitlichen Ansatz gibt, kein generelles Richtig oder Falsch.

 

Blick aus einem Zug in den Bergen Sri Lankas

Blick aus einem Zug in den Bergen Sri Lankas

 

Für mich ist das Reisen kein Urlaub, sondern meine Lebensweise. Obwohl ich die Neugier anderer verstehe, in kurzer Zeit so viel wie möglich zu sehen, insbesondere wenn man als Tourist im Jahresurlaub ist, ist mein persönlicher Ansatz darauf ausgerichtet, was am besten zu meinem Lebensstil passt. Man darf auch nicht vergessen, dass meine Reisen nicht nur meine reguläre Arbeit, sondern auch andere „normale“ Aktivitäten wie die Abwicklung von Steuererklärungen und das Telefonieren mit Familie und Freund*innen im Ausland umfassen. Diese Mischung aus Arbeit und persönlichen Verpflichtungen erfordert von mir mehr Ruhezeiten zwischen den Aktivitäten.

Der eigentliche Anlass für meinen Besuch in Sri Lanka war, dass ich den langen Flug von Europa nach Australien unterbrechen wollte. Sri Lanka erwies sich als perfekter Zwischenstopp auf meiner Reise, besonders aufgrund der zahlreichen positiven Berichte, die ich über das Land gehört hatte. Aufgrund meiner vielen und häufigen Reisen betrachte ich solche Zwischenstopps oft aus einer etwas anderen Perspektive. Ich fühle mich nicht dazu verpflichtet, innerhalb eines Besuchs alle Sehenswürdigkeiten sehen zu müssen, schließlich kann ich als Digitale Nomadin ja jederzeit zurückkehren. Stattdessen betrachte ich diese Reisen oft als eine Art „Test“, um zu sehen, ob das Land für mich für einen längeren Aufenthalt infrage käme. Deshalb lasse ich oft die berühmtesten Strände, Tempel und andere touristische Hotspots außen vor und beobachte stattdessen lieber das Treiben der Menschen in einem gemütlichen Café oder genieße die Atmosphäre oder die Aussicht mit einem guten Buch in der Hand.

 

Blick von meinem Balkon in Sri Lanka auf die Berge, mit einer Aeropress und Büchern auf dem Tisch

Meine Aeropress ist immer mit dabei

 

Reisen verändert

 

Es besteht kein Zweifel daran, dass Reisen einen verändert. Es kann das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit verbessern, den Horizont erweitern und die Perspektiven verändern. Aber die Art, wie man reist, kann sich auch im Laufe der Zeit ändern. Mit jeder neuen Reise sammle ich mehr Erfahrungen und lerne mehr über mich selbst. Und zugegebenermaßen bemerke ich auch, je älter ich werde, dass ich manchmal nichts gegen ein wenig Komfort habe.

Viele meiner Beratungsklient*innen und Freund*innen sind ebenfalls digitale Nomad*innen oder zumindest Vielreisende, und es hat mich schon immer fasziniert, wie unterschiedlich wir alle reisen. Aber das ist auch die Schönheit dieses Lebensstils, er sieht für jeden anders aus und ist ein Leben ständiger Veränderung und Anpassung. Je länger man reist, desto mehr versteht man, was für einen funktioniert (und was nicht). Und das gilt natürlich nicht nur für das Reisen, sondern für alle Lebensbereiche. Wir alle müssen unseren eigenen Weg finden, unser Leben zu leben.

Es gibt kein Handbuch für die perfekte Art zu reisen. Das Wesentliche ist oft nicht das Ziel, sondern die einzigartigen, persönlichen Geschichten, die sich unterwegs ergeben. Deshalb ermutige ich Sie, das Unerwartete zu erwarten, Ihren eigenen Weg zu gehen und zu akzeptieren, dass dieser sich im Laufe der Zeit immer wieder verändern und weiterentwickeln kann. 

 

 

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Hat sich Ihre Art zu reisen auch über die Jahre verändert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne in den Kommentaren! Und wenn Sie regelmäßige Einblicke in mein Leben als digitale Nomadin erhalten möchten, sowie Tipps und Übungen für Ihre psychische Gesundheit, abonnieren Sie meinen monatlichen englischen Newsletter!

 

Mein Leben als digitale Nomadin und Online Therapeutin - zwischen Routine & Abenteuer

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