Je nachdem, wen man fragt, wird zurzeit überall über hormonelle Einflüsse auf die psychische Gesundheit gesprochen – sei es im Zusammenhang mit Menopause, Zyklus, prämenstruellem Syndrom (PMS) oder perinataler psychischer Gesundheit. Oder aber: Es herrscht immer noch großes Unwissen, Unsicherheit und viele Fragezeichen. In meiner Arbeit als Psychologin in der Onlineberatung erlebe ich beides. Einerseits begegnet mir eine neue Offenheit, ein wachsendes Interesse an hormonellen Zusammenhängen. Andererseits zeigt sich, wie viel Orientierungsbedarf es noch gibt – besonders dann, wenn körperliche und psychische Symptome zusammentreffen und schwer einzuordnen sind.  

 

Zyklus, Hormone und mentale Gesundheit

Foto: RDNE, Pexels

 

Noch vor wenigen Jahren wurde kaum darüber gesprochen, wie sehr Hormone unser Wohlbefinden, unsere Emotionen und unsere psychische Stabilität beeinflussen können. Themen wie Zyklusphasen oder die Veränderungen in den Wechseljahren wurden oft bagatellisiert oder als „Frauenthemen“ abgetan. Heute wächst das Bewusstsein – in der Medizin, in der Gesellschaft und auch in der psychologischen Beratung. Und das ist gut so. Denn hormonelle Gesundheit ist mehr als ein Randthema – sie ist ein zentraler Teil unserer mentalen Gesundheit.

Hormone beeinflussen weit mehr als nur den Zyklus oder die Fruchtbarkeit. Sie wirken auf nahezu alle Bereiche unseres Erlebens: unsere Energie, unser Stressempfinden, den Schlaf, die Konzentration und unsere emotionale Stabilität. Trotzdem bestehen nach wie vor große Wissenslücken – nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch in der medizinischen und psychologischen Praxis. Viele Menschen berichten von unerklärlichen Stimmungsschwankungen, Erschöpfung oder innerer Unruhe – und stoßen dabei oft auf Unsicherheit, widersprüchliche Informationen oder das Gefühl, mit ihren Erfahrungen allein zu sein.

Zwei Bücher, die auf unterschiedliche Weise dazu beitragen, dieses wichtige Thema besser zu verstehen, sind „Dein Power Zyklus“ von Alisa Vitt und „What Fresh Hell Is This?“ von Heather Corinnai. Während Vitti erklärt, wie wir unseren Zyklus als eine Art inneren Kompass nutzen können, um unser Wohlbefinden zu verbessern, konzentriert sich Corinna auf die oft wenig beachteten Herausforderungen der Perimenopause und Menopause.

 

 

Dein Powerzyklus – Den Zyklus als Kraftquelle nutzen

 

In „Dein Powerzyklus: Wie du die Phasen deiner Periode nutzen kannst, um erfolgreich zu arbeiten, zu trainieren und zu regenerieren“ (Originaltitel: In the FLO) zeigt Alisa Vitti, wie der Menstruationszyklus nicht nur etwas ist, das man „durchhalten“ muss – sondern ein echter innerer Kompass sein kann. Ihr Ansatz ist praktisch, verständlich und vor allem alltagsnah: Statt gegen hormonelle Schwankungen zu arbeiten, können wir lernen, mit ihnen zu leben – und sie sogar für uns zu nutzen.

Vitti beschreibt, wie sich die einzelnen Phasen des Zyklus auf Energie, Stimmung, Konzentration und körperliches Wohlbefinden auswirken – und wie sich Ernährung, Bewegung und Arbeitsalltag entsprechend anpassen lassen. Das Buch richtet sich an alle, die ihren Zyklus besser verstehen und mit ihm arbeiten wollen. Gerade für Menschen, die sich mehr Verbindung zum eigenen Körper wünschen oder mit wiederkehrenden Stimmungsschwankungen kämpfen, kann dieser Perspektivwechsel sehr hilfreich sein.

 


„What Fresh Hell Is This?“ – Ein ehrlicher Blick auf die Wechseljahre

 

Ganz anders, aber nicht weniger lesenswert, ist „What Fresh Hell Is This?“ von Heather Corinna. In einem direkten, klaren und oft auch sehr witzigen Ton beschreibt Corinna, was die Perimenopause und Menopause mit Körper, Psyche und Alltag machen können und das aus einer Perspektive, die weit über klassische Ratgeber hinausgeht.

Corinna ist Sexualpädagog*in und Autor*in und nutzt im Englischen das Pronomen they. Die queere Perspektive macht dieses Buch besonders: Es zeigt, dass hormonelle Veränderungen nicht nur cis Frauen betreffen – und dass es viele Arten gibt, diesen Lebensabschnitt zu erleben.

What Fresh Hell Is This? ist viel mehr als ein Aufklärungsbuch: Es ist ein sehr persönlicher Text, der medizinische Informationen mit Alltagsrealität und ehrlichem Erfahrungswissen verbindet. Es geht um Schlafstörungen, Hitzewallungen und psychische Tiefs – aber auch um Wut, Veränderung und das Gefühl, sich neu finden zu müssen. Corinna schafft es, dabei nie belehrend zu wirken, sondern nahbar und sehr menschlich.

Das Buch ist bisher nicht auf Deutsch erschienen, doch Corinnas humorvoller und zugleich schonungslos ehrlicher Schreibstil macht es lesenswert – insbesondere für alle, die sich eine offene und inklusive Auseinandersetzung mit dem Thema wünschen.

 

 

Warum dieses Thema so wichtig ist

 

Ob es um die monatlichen Schwankungen im Zyklus oder um tiefgreifende Veränderungen in der Menopause geht – unser Wissen über Hormone wächst. Und trotzdem gibt es noch immer viele Lücken, Unsicherheiten und Vorurteile. Lange Zeit wurden hormonell bedingte Beschwerden ignoriert oder bagatellisiert. Heute wissen wir: Hormonelle Veränderungen beeinflussen nicht nur unsere körperliche, sondern auch unsere psychische Gesundheit – und es gibt Möglichkeiten, mit diesen Veränderungen umzugehen und sie aktiv zu gestalten.

Und genau darum lohnt es sich, sich mit dem Thema zu beschäftigen – ganz unabhängig davon, ob man selbst menstruiert oder nicht. Wer versteht, wie sehr Hormone unser Erleben prägen können, begegnet anderen mit mehr Empathie – und sich selbst mit mehr Geduld.

Beide Bücher, „Dein Powerzyklus“ und „What Fresh Hell Is This?“, helfen auf ihre eigene Weise, hormonelle Prozesse besser zu verstehen. Sie zeigen, dass Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden kein Randthema sind, sondern ein Teil des Lebens, den wir ernst nehmen und aktiv gestalten können.

 




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Haben Sie „What Fresh Hell Is This?“ oder „Dein Powerzyklus“ schon gelesen? Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren! Und wenn Sie gerne regelmäßig weitere Buchempfehlungen und Tipps für Ihre mentale Gesundheit erhalten möchten, abonnieren Sie meinen monatlichen englischen Newsletter!

 

 

Zyklus, Hormone und mentale Gesundheit

Foto: RDNE, Pexels

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